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Blenderei

3D-Grafik – Illustration & Animation

Elli Kuruş

Innerhalb des Künstlerkollektivs Elli Kuruş haben wir uns über einen längeren Zeitraum mit der Struktur der Platonischen Körper, ihren inhärenten historischen Aspekten und ihrer medialen Repräsentation auseinandergesetzt. Die Platonischen Körper vereinen in sich das Ideal von Harmonie und Logik und sind aufgrund ihres Aufbaus beliebt und leicht mittels 3D-Software zu generieren. Mit der Frage, in welchem Verhältnis der Mensch und geometrische, algorithmische und mathematische Perfektion stehen, haben wir die platonischen Körper per Hand modelliert, ohne Hilfswerkzeuge zu benutzen. Im Folgeschritt haben wir die Plastilin-Modelle mit dem 3D-Scanner gescannt und die Daten in Blender bearbeitet. Im Anschluss wurden und werden die handgemachten, digitalisierten Skulpturen in neue Zusammenhänge gesetzt, auch um durch deren transformierte mathematische Schönheit, den Anspruch, die Welt durch Reduktion und Logik zu präsentieren, genauer zu hinterfragen.

platonic bodies

Virtuelle Installation, 2015, Galerie ARTACKER, Berlin zusammen mit Elli Kuruş.

Monticello

3D-Modell Monticellos angefertigt für die Arbeit »Invisible Hand, The Great Book of…« von Elli Kuruş, in der Galerija Miroslav Kraljević, Zagreb, Kroatien 2016.

video loop

Monticello wurde von Thomas Jefferson selbst entworfen und war derart konzipiert, dass die Arbeit seiner Sklaven weitestgehend „unsichtbar“ wurde. Sämtliche Arbeitsräume waren im Keller und den Dependencies untergebracht, die Versorgung der Wohn- und Präsentationsräume verlief über schmale Wendeltreppen. Jefferson hatte einige innenarchitektonische Details entwickelt, um zu verhindern, dass beispielsweise während des Abendessens Sklaven anwesend waren. So ließ er einen Aufzug für Weinflaschen in die Seitenwände des Kamins einbauen, um diesen direkt aus dem Weinkeller von Sklaven befüllen zu lassen. Ebenso erfand er den Servierwagen, der außerhalb des Sichtfeldes der Speisenden bestückt wurde. Während unserer (Bild-)Recherchen zu Monticello fiel uns auf, dass auch in der gegenwärtigen visuellen Präsentation Monticellos (Briefmarken, Dollar-Note, diverses Bildmaterial im Internet und Büchern) der gesamte Arbeitsbereich des Gebäudes oft ausgespart wird. Daher haben wir uns entschlossen, in der Ausstellung einen ungewohnten Blick auf Monticello freizugeben, der die enorme Architektur der (Sklaven-) Arbeit, auf der das Anwesen aufgebaut war/ ist, sichtbar macht. Die animierte 360° Drehung des Modells ist als Videoloop eingebunden in eine mehrteilige Installation aus einem Servierwagen, einer 2-Dolllar-Note, Tusche-Zeichnungen, Internetkabeln, Seilrollen, californischem Rotwein, einem Künstlerbuch, künstlichen Fingernägeln und einer Plastilin-Pyramide. Elli Kuruş befragt innerhalb der Installation »Invisible Hand, The Great Book of…« verschiedene historische wie auch gegenwärtige Praktiken des „Unsichtbarmachens“ von Arbeit. So zeigt das ausgestellte Künstlerbuch die Spuren von Händen der Arbeiterinnen, die für Google Books Bücher einscannen. Im Normalfall werden die versehentlich mitgescannten Hände und Finger per Algorithmus entfernt, allerdings geschieht dies nicht immer fehlerfrei und manchmal bleiben die Spuren der „Handarbeit“ noch sichtbar. Elli Kuruş hat den Prozess des „Unsichtbarmachens“ transformiert, den Inhalt der Bücher gelöscht und nur die mehr oder weniger sichtbaren Spuren der Hände bestehen gelassen. Die ausgewählten Bücher handelten dabei allesamt von Monticello, das einzige, was von ihrem eigentlichen Inhalt bleibt, ist ein Kupferstich des Anwesens in der Mitte des Buches und ein von Elli Kuruş verfasstes Gedicht.

Thinking through animation

Im Rahmen des ICSC-INTERCITY/SWITCHCITY Austauschprojekts haben die beteiligten Künstlerkollektive unter anderem auch über Möglichkeiten, Wege und Grenzen von kollektivem Arbeiten diskutiert. Hier zu sehen sind Überlegungen in Form einer Animation bezüglich der Frage, wie angesichts des „agonistischen Pluralismus“ (Chantal Mouffe) in kollektiven (künstlerischen) Produktionen oder Projekten eine Entscheidung gefunden werden kann, oder ob das nicht ein Widerspruch in sich ist.

In Bezug auf die Animation stellt sich die Frage, ob nicht ein wesentliches Problem kollektiver Projekte die endlosen Diskussionen sind, die zu jedermanns Erschöpfung und Resignation führen. Was wäre, wenn es anstatt dessen viele pinke Bälle gäbe, die „zusammen erscheinen“ (Jean-Luc Nancy), ohne die Notwendigkeit, dass sie gespielt werden, sondern dass sie gleichzeitig bestehen und sich gegenseitig beeinflussen.